Hat Europa den KI-Wettlauf wirklich verloren? Vielleicht genau das Gegenteil.

Futuristische europäische Industrielandschaft mit KI-gesteuerten Fabriken, Rechenzentren und vernetzter Europa-Karte als Symbol für Europas Chancen im KI-Zeitalter.

Wenn über künstliche Intelligenz gesprochen wird, fällt oft derselbe Satz:

Europa hängt hinterher.

Die größten KI-Modelle kommen aus den USA. Auch China investiert massiv. Europa dagegen gilt oft als zu langsam, zu vorsichtig und zu stark reguliert.

Aber vielleicht ist diese Sicht zu einfach.

Eine aktuelle Analyse von Reuters Breakingviews kommt zu einem interessanten Gedanken: Europa muss nicht unbedingt die größten KI-Modelle der Welt bauen, um vom KI-Boom stark zu profitieren. Entscheidend könnte vielmehr sein, wie gut Europa KI in Unternehmen und Industrie einsetzt. Reuters

Nicht der Erfinder verdient immer am meisten

Bei neuen Technologien denkt man oft zuerst an die Firmen, die sie entwickeln.

Doch wirtschaftlich profitieren später häufig diejenigen besonders stark, die eine neue Technologie am besten einsetzen.

Genau das könnte für Europa interessant werden.

Europäische Unternehmen könnten leistungsfähige KI-Modelle nutzen, ohne selbst Milliarden in deren Entwicklung investieren zu müssen.

Gerade günstige oder offene Modelle könnten dabei helfen, KI in vielen Branchen einzusetzen. Reuters

Europas Stärke liegt vielleicht in der Anwendung

Europa hat viele starke Industrien:

Maschinenbau, Automobilindustrie, Pharma, Energie, Logistik und spezialisierte Mittelständler.

Wenn diese Unternehmen KI erfolgreich in Produktion, Entwicklung, Planung und Kundenservice einsetzen, kann daraus ein großer wirtschaftlicher Vorteil entstehen.

Dass dieser Effekt bereits beginnt, sieht man an europäischen Unternehmen wie SAP, Capgemini, Sopra Steria und OVHcloud, die zuletzt von stärkerer Nachfrage nach KI-Lösungen berichtet haben. Reuters

Auch die Industrie profitiert bereits

Der KI-Boom betrifft längst nicht mehr nur Softwarefirmen.

Im September stieg die Industrieaktivität in der Eurozone auf den höchsten Stand seit Mai 2022. Besonders Deutschland und die Niederlande profitierten von der Nachfrage nach Investitionsgütern für Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur. Reuters

Das finde ich besonders interessant.

Denn Europa ist traditionell stark bei Maschinen, Industrieanlagen und technischer Infrastruktur.

Vielleicht wird genau das im KI-Zeitalter wieder wichtiger.

Europa muss trotzdem aufholen

Natürlich gibt es auch Schwächen.

Europa entwickelt deutlich weniger Spitzenmodelle als die USA oder China. Auch bei Rechenzentren, Chips und Finanzierung besteht noch Nachholbedarf. Reuters

Eine aktuelle Analyse der Europäischen Zentralbank zeigt zum Beispiel, dass rund 72 % der Unternehmen im Euroraum ihre KI-Investitionen hauptsächlich aus eigenen Mitteln finanzieren. Nur ein kleiner Teil nutzt Bankkredite oder Kapitalmärkte. Das kann das Wachstum bremsen. Reuters

Meine persönliche Sicht

Ich finde diese Sichtweise spannend.

Europa muss vielleicht nicht versuchen, Silicon Valley einfach zu kopieren.

Vielleicht liegt unsere Chance darin, künstliche Intelligenz besonders gut mit unseren bestehenden Stärken zu verbinden.

Industrie, Maschinenbau, Energie, Forschung und Mittelstand könnten davon stark profitieren.

Die entscheidende Frage könnte deshalb am Ende gar nicht sein:

Wer baut das größte KI-Modell?

Sondern:

Wer schafft es, KI am sinnvollsten in der echten Wirtschaft einzusetzen?

Und genau dort könnte Europa viel stärker sein, als viele heute glauben.

Was meinst du: Muss Europa eigene große KI-Modelle bauen – oder reicht es, vorhandene KI besser einzusetzen als andere?Quelle: Reuters Breakingviews – Why Europe could be the real winner of the AI boom

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